Wertevermittlung durch Lehrpersonen

Impulse für die Praxis:

Klassenebene:

  • Wertebildung findet nicht nur in speziell dafür vorgesehenen Unterrichtseinheiten statt, sondern kann in allen Fächern und Alltagssituationen aufgegriffen werden. Lehrpersonen können gezielt nach Gelegenheiten suchen, Werte im Unterricht sichtbar zu machen.
  • Abstrakte Werte wie Fairness, Akzeptanz oder Selbstbestimmung werden für Kinder verständlicher, wenn sie anhand konkreter Situationen und lebensnaher Beispiele thematisiert werden.
  • Aktuelle Ereignisse, Konflikte oder gemeinsame Erfahrungen in der Klasse bieten wertvolle Anlässe, um mit Kindern über Werte und deren Bedeutung im Alltag ins Gespräch zu kommen.
  • Da Kinder mit unterschiedlichen Werteprioritäten aus dem Elternhaus in die Schule kommen, kann die gemeinsame Reflexion über verschiedene Sichtweisen dazu beitragen, Werteorientierungen zu klären und gegenseitigen Respekt zu fördern.

Zusammenfassung der Forschungsergebnisse

Lehrpersonen eine Stimme geben: Primarschullehrpersonen erklären, wie sie Werte an ihre Schüler:innen vermitteln

Autor*innen:
Döring, A. K., Jones, E., Oeschger, T. P., & Makarova, E.

Ziel der Studie:
Die Studie untersuchte, wie Primarschullehrpersonen Werte an ihre Schüler*innen vermitteln, welche Strategien sie dabei einsetzen und welchen Herausforderungen sie bei der Integration von Wertebildung in den Unterricht begegnen.

Ergebnisse der Studie:

  • Lehrpersonen betrachteten insbesondere Wohlwollen (Fürsorge für andere) und Universalismus (Fairness und Akzeptanz) als zentrale Werte, die in der Schule gefördert werden sollten. Macht und Leistung wurden hingegen als weniger bedeutsam eingeschätzt.
  • Die Lehrpersonen beschrieben verschiedene Wege der Wertevermittlung. Sie sahen sich selbst als wichtige Vorbilder, da Kinder Werte nicht nur durch Unterrichtsinhalte, sondern auch durch das alltägliche Verhalten der Lehrpersonen lernen.
  • Eine unterstützende Schulkultur und die Rückendeckung durch die Schulleitung wurden als wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wertevermittlung hervorgehoben.
  • Werte werden für Kinder verständlicher und greifbarer, wenn sie mit aktuellen Ereignissen und Alltagssituationen verknüpft werden.
  • Nach Einschätzung der Lehrpersonen findet Wertebildung nicht nur in einzelnen Fächern statt, sondern ist im gesamten Curriculum verankert. Auch Unterrichtsfächer ohne direkten Wertebezug bieten Möglichkeiten, soziale und moralische Kompetenzen zu fördern.
  • Darüber hinaus bieten Pausen, Arbeitsgemeinschaften und Klassenfahrten wertvolle Gelegenheiten zur Wertebildung, wenn diese bewusst gestaltet werden.
  • Als Herausforderung beschrieben die Lehrpersonen, dass einige Werte – insbesondere Universalismus und Selbstbestimmung – für Kinder trotz theoretischen Verständnisses oft schwer im Alltag umzusetzen sind und deshalb konkrete Beispiele sowie praktische Erfahrungen benötigen.
  • Zudem berichteten die Lehrpersonen, dass schulisch vermittelte Werte teilweise mit den Werteorientierungen des Elternhauses in Konflikt geraten können, wodurch für Kinder schwierige Entscheidungssituationen entstehen.
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