Im Video wird kurz erklärt, was “Werte” nach der Theorie von Shalom Schwartz sind.
Klicken Sie auf den Wertekreis, um die 10 menschlichen Grundwerte kennenzulernen und erfahren Sie, wie Sie als Lehrperson die einzelnen Werte im Schulalltag vorleben.
Unten finden Sie Antworten auf häufige Fragen zum Thema “Werte in der Schule”.
Werte sind übergeordnete Ziele, die unser Leben und Handeln prägen. Wer über seine eigenen Werte nachdenken möchte, kann sich zum Einstieg fragen: „Was ist mir im Leben wichtig?“ oder „Welche Art Mensch möchte ich sein?“. Die Antworten auf solche Fragen geben Einblicke in die persönlichen Werte und das eigene Verständnis davon, was es bedeutet, ein gutes und sinnvolles Leben zu führen. Poster zum Download
Forscher*innen haben festgestellt, dass Menschen weltweit gemeinsame Muster in den von ihnen vertretenen Werten zeigen. Werte lassen sich meist in vier verschiedene Kategorien einteilen: Bewahren des Bestehenden, Offenheit für Wandel, Selbststärkung und Selbsttranszendenz.
Beispielsweise möchten einige Menschen die Dinge so belassen, wie sie sind (Bewahren des Bestehenden), während andere Veränderungen im Denken und Handeln suchen (Offenheit für Wandel). Ebenso konzentrieren sich manche darauf, sich selbst auf Kosten anderer voranzubringen (Selbststärkung), während andere sich darauf fokussieren, nahestehenden und entfernten Mitmenschen sowie der Natur zu helfen (Selbsttranszendenz).
Der Psychologe Professor Shalom H. Schwartz entwickelte die Theorie der menschlichen Grundwerte, um diese vier Kategorien detaillierter zu beschreiben. Er identifizierte zehn zentrale Werte, die das menschliche Verhalten antreiben: Universalismus, Wohlwollen, Tradition, Konformität, Sicherheit, Macht, Leistung, Hedonismus, Stimulation und Selbstbestimmung.
Manchmal stimmen verschiedene Werte eng überein, was bedeutet, dass Handlungen, die einen Wert verfolgen, natürlich auch die Ziele eines anderen unterstützen. Zum Beispiel schätzen Menschen, die Leistung wertschätzen, meistens auch Macht. Leistung bedeutet, persönliches Wachstum und Anerkennung anzustreben, während Macht das Erreichen von Führungspositionen und höherem sozialen Status beschreibt – Ziele, die oft zusammengehen.
Andererseits können Werte auch im Konflikt stehen, weil sie gegensätzliche Ziele repräsentieren. Zum Beispiel legt Konformität Wert darauf, Regeln zu befolgen und soziale Erwartungen zu erfüllen, während Selbstbestimmung Unabhängigkeit, persönliche Entfaltung und das Erkunden neuer Ideen priorisiert. Das Verfolgen des einen Wertes geht oft zulasten des anderen.
Stellen Sie sich vor, Ihr*e Chef*in bittet Sie, etwas zu tun, dem Sie stark widersprechen. Sie können entweder zustimmen oder ablehnen. Zustimmen erfüllt den Wert der Konformität, widerspricht aber dem Wert der Selbstbestimmung wie Unabhängigkeit und Freiheit. Ihre Reaktion wird wahrscheinlich davon abhängen, welcher Wert Ihnen wichtiger ist: Konformität oder Selbstbestimmung.
Nun nehmen wir an, Ihr Chef belohnt Sie mehr für das Einhalten von Regeln als für unabhängiges Denken, vielleicht mit Beförderungen oder höherem Gehalt. Mit der Zeit könnten Sie Konformität mehr schätzen und Selbstbestimmung weniger, weil es Ihnen mehr Vorteile bringt, sich anzupassen.
Dieses Beispiel zeigt, wie auch unsere Umwelt unsere Werte prägt. Wenn eine Umgebung einen Wert stark verstärkt (z. B. Konformität), kann sie dagegenstehende Werte (wie Selbstbestimmung) schwächen. Das kann zu unerwarteten – und unerwünschten – Ergebnissen führen, wie zum Beispiel sehr gehorsame Mitarbeiter zu schaffen, die nicht selbstständig denken oder handeln.
Es ist wichtig, die Dynamik zwischen Werten zu verstehen, einschliesslich möglicher Abwägungen, die wir treffen müssen, wenn wir einen Wert über einen anderen fördern. Dieses Verständnis ist besonders relevant, wenn wir die spezifischen Werte betrachten, die wir bei Kindern und im Unterrichtsumfeld fördern möchten.
Werte sind nicht nur abstrakte Ideen; sie sind tief mit unseren Emotionen verbunden und leiten die Entscheidungen, die wir im Leben treffen. Sie geben uns Motivation und Sinn und dienen als Kompass dafür, wie wir mit der Welt und den Menschen um uns herum interagieren.
Wenn Sie zum Beispiel Wert darauf legen, sich um Freunde und Familie zu kümmern, könnten Sie Loyalität und den Schutz Ihrer Lieben priorisieren. Jemand anderes, der Unabhängigkeit schätzt, konzentriert sich vielleicht darauf, neue Ideen zu erforschen und eigene Entscheidungen zu treffen.
Bezüglich der Werte von Kindern zeigt die Forschung, dass Kinder, die Fürsorge für andere schätzen, eher dazu neigen, gerecht zu handeln und zu teilen.
Jede Person legt unterschiedliche Schwerpunkte auf die zehn Grundwerte und schafft so eine persönliche „Wertehierarchie“. Diese Prioritäten beeinflussen Verhalten und Entscheidungen. Zum Beispiel könnte jemand, der Stimulation hoch wertschätzt, aber nicht Konformität, ungewöhnliche oder abenteuerliche Aktivitäten wie Extremsportarten annehmen.
Unsere Werte prägen nicht nur tägliches Verhalten, sondern beeinflussen auch grössere Lebensentscheidungen, wie die Wahl des Berufs, die Unterstützung sozialer Anliegen und sogar politische Ansichten.
Das Bild oben auf dieser Webseite zeigt einen Kreis, der alle zehn Grundwerte enthält. Mithilfe dieses Bildes können wir feststellen, welche Werte in Einklang stehen und welche im Widerspruch zueinander stehen.
Werte, die im Kreis nebeneinander liegen, stimmen in ihren Zielen überein und unterstützen wahrscheinlich ähnliche Verhaltensweisen. Zum Beispiel konzentrieren sich Hedonismus und Stimulation beide darauf, das Leben zu geniessen und Spannung zu suchen.
Im Gegensatz dazu stehen Werte, die sich gegenüberliegen, eher im Widerspruch, da sie gegensätzliche Prioritäten repräsentieren. Zum Beispiel kann Leistung mit Wohlwollen kollidieren, weil sich der eine Wert auf persönlichen Erfolg konzentriert, während der andere darauf abzielt, Menschen in der Umgebung zu helfen.
Letztendlich befinden sich unsere Werte in einem Gleichgewichtszustand, und indem wir verstehen, wie Werte miteinander interagieren, können wir lernen, wie wir förderliche Werte im Klassenzimmer effektiv unterstützen können
Das Bildungssystem spielt eine wichtige Rolle bei der Wertebildung von Kindern. Werte werden auf verschiedenen Ebenen vermittelt: durch die Inhalte des Lehrplans (Makro-Ebene), die Kultur der Schule (Meso-Ebene) und die Unterrichtsmethoden einzelner Lehrpersonen (Mikro-Ebene).
Werte beeinflussen, wie Schüler*innen miteinander umgehen, Herausforderungen angehen und am Lernprozess teilnehmen. Sie spielen eine direkte Rolle bei der Gestaltung lernbezogener Verhaltensweisen wie Selbstdisziplin und unterstützendem Verhalten sowie bei Motivationen wie Leistungsorientierung oder Lernfokus.
Das Erkennen, wie spezifische Werte den Bildungsprozess beeinflussen, ist entscheidend. Werte wie Stimulation und Selbstbestimmung stehen in engem Zusammenhang mit lernorientiertem Verhalten bei Schüler*innen. Dies kann sich in intellektueller Neugier, Kreativität und Offenheit für neue Ideen äussern – alles Eigenschaften, die dem Lernen sehr zuträglich sind.
Gleichzeitig ist es wichtig zu bedenken, dass eine zu starke Betonung bestimmter Werte unbeabsichtigt gegensätzliche Werte im Wertekreis unterdrücken kann. Zum Beispiel kann eine übermässige Fokussierung auf Konformität und Tradition – etwa durch striktes Befolgen von Regeln oder das Festhalten an etablierten Normen – intellektuelle Neugier und Unabhängigkeit hemmen, die mit Werten wie Stimulation und Selbstbestimmung verbunden sind.
Ebenso können in einer Unterrichtsumgebung, die zu stark auf Leistung ausgerichtet ist – bei der Wettbewerb und das Besser-sein als andere belohnt werden – Werte wie Wohlwollen und Fairness in den Hintergrund treten, da Kinder lernen, persönlichen Erfolg über das Helfen anderer zu stellen.
Deshalb ist es für Lehrpersonen, die positive und ausgewogene Werte bei Schüler*innen fördern wollen, unerlässlich, unser Verständnis darüber zu vertiefen, wie sich diese Werte entwickeln und wie schulische Rahmenbedingungen diesen Prozess beeinflussen.