Rollen des Klassenzimmers und seiner sozialen Akteure

Impulse für die Praxis:

Klassenebene:

  • Da Kinder ihre Werte im Laufe der Zeit an jene ihrer Klassenkamerad*innen anpassen, können Lehrpersonen kooperative Lernformen und gemeinsame Projekte gezielt nutzen, um prosoziale Werte wie Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme und gegenseitige Unterstützung zu fördern.
  • Die Qualität der Beziehungen im Klassenzimmer spielt eine wichtige Rolle für die Werteentwicklung. Ein wertschätzendes und unterstützendes Klassenklima sowie eine vertrauensvolle Lehrpersonen-Schüler*innen-Beziehung können die Entwicklung von Mitgefühl und sozialer Verantwortung begünstigen.
  • Da nicht die expliziten Werteprioritäten der Lehrperson, sondern vor allem die alltäglichen sozialen Erfahrungen wirksam sind, lohnt es sich, Werte im täglichen Miteinander vorzuleben und durch Routinen sowie Interaktionen erfahrbar zu machen.
  • Regelmässige Gespräche und Reflexionen über Zusammenarbeit, Konflikte und respektvolles Zusammenleben können Kinder dabei unterstützen, eigene Werte zu erkennen, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und gemeinsame Werte für die Klassengemeinschaft zu entwickeln.

Zusammenfassung der Forschungsergebnisse

Längsschnittliche Entwicklung persönlicher Werte in der Primarschule: Die Rolle des Klassenzimmers und seiner sozialen Akteure

Autor*innen:
Scholz-Kuhn, R., Makarova, E., Bardi, A., Benish-Weisman, M., & Döring, A. K.

Ziele der Studie:

Die Studie untersuchte, wie sich persönliche Werte von Kindern während der ersten 1,5 Jahre der Primarschule entwickeln und welchen Einfluss Klassenkamerad*innen, Lehrpersonen sowie Beziehungen innerhalb der Klasse auf diese Wertentwicklung haben.

Ergebnisse der Studie:

  • Die Bedeutung von Selbsttranszendenz und Offenheit für Wandel nahm im Zeitverlauf zu, während Werte der Selbststärkung abnahmen. Werte von Bewahren des Bestehenden stiegen zunächst an, der Anstieg flachte jedoch später ab.
  • Kinder übernahmen zunehmend die Werte ihrer Klassenkamerad*innen, sodass sich ihre Werteprioritäten im Laufe der Zeit anglichen.
  • Eine als warm wahrgenommene Lehrperson förderte den Anstieg von Werten der Selbsttranszendenz und den Rückgang von Werten der Selbststärkung.
  • Eine enge Beziehung zur Lehrperson hing mit einer Zunahme von Werten von Bewahren des Bestehenden und einer Abnahme von Werten der Offenheit für Wandel zusammen.
  • Eine enge Beziehung zu Mitschüler*innen sagte eine Zunahme von Werten der Selbsttranszendenz sowie eine Abnahme von Werten der Offenheit für Wandel voraus.
  • Die wertebezogenen Erziehungsziele der Lehrpersonen hatten keinen signifikanten Einfluss auf die Werteentwicklung der Kinder.
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