Wertebildung im Vergleich

Impulse für die Praxis:

Klassenebene:

  • Lehrpersonen können reflektieren, welche Werte sie im Unterricht besonders fördern und inwiefern diese von ihrem eigenen kulturellen und gesellschaftlichen Umfeld geprägt sind.
  • Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Werteorientierungen kann dazu beitragen, Vielfalt in der Klasse bewusst wahrzunehmen und wertzuschätzen.
  • Gespräche über Werte bieten Kindern die Möglichkeit, verschiedene Sichtweisen kennenzulernen und zu verstehen, dass Werte je nach sozialem und kulturellem Kontext unterschiedlich gewichtet werden können.
  • Die bewusste Reflexion eigener Werteprioritäten kann Lehrpersonen dabei unterstützen, Wertebildung vielfältig und ausgewogen zu gestalten.

Zusammenfassung der Forschungsergebnisse

Wertebezogene Erziehungsziele von Primarschullehrpersonen: Eine vergleichende Studie in zwei europäischen Ländern

Autor*innen:

Oeschger, T. P., Makarova, E., Daniel, E. & Döring, A. K.

Ziel der Studie:
Die Studie untersuchte die wertebezogenen Erziehungsziele von Primarschullehrpersonen in Grossbritannien und der Schweiz. Dabei wurde analysiert, welche Werte Lehrpersonen ihren Schüler*innen besonders vermitteln möchten, wie sich diese Erziehungsziele zwischen den beiden Ländern unterscheiden und inwieweit sie mit den allgemeinen Werteorientierungen der jeweiligen Gesellschaft übereinstimmen.

Ergebnisse der Studie:

  • Die Ergebnisse zeigen, dass Lehrpersonen in Grossbritannien und der Schweiz unterschiedliche Schwerpunkte bei ihren wertebezogenen Erziehungszielen setzen und dass diese Unterschiede die kulturellen Werteorientierungen der jeweiligen Länder widerspiegeln.
  • Auf gesellschaftlicher Ebene wurden in der Schweiz insbesondere Hedonismus (Freude am Leben), Macht (Status und Einfluss) sowie Selbstbestimmung (Unabhängigkeit) stärker betont. In Grossbritannien standen hingegen Universalismus (Fürsorge für alle), Wohlwollen (Unterstützung nahestehender Menschen), Konformität (Regelbefolgung) und Sicherheit (Stabilität) stärker im Vordergrund.
  • Auch bei den wertebezogenen Erziehungszielen der Lehrpersonen zeigten sich länderspezifische Unterschiede. Schweizer Lehrpersonen legten besonderen Wert auf Wohlwollen, Hedonismus und Selbstbestimmung, während Lehrpersonen aus Grossbritannien stärker Tradition, Konformität, Sicherheit, Leistung und Stimulation förderten.
  • Insgesamt orientierten sich die wertebezogenen Erziehungsziele der Lehrpersonen an den in ihrem Land vorherrschenden gesellschaftlichen Werten.
  • Die Ergebnisse legen nahe, dass die schulische Wertevermittlung nicht isoliert stattfindet, sondern wesentlich durch das kulturelle und soziale Umfeld der Lehrpersonen geprägt wird.
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