Werte und Verhalten der Kinder im Verlauf

Impulse für die Praxis:

Klassenebene:

  • Werte zeigen sich nicht nur im Verhalten der Kinder, sondern werden auch durch ihr Verhalten mitgeprägt. Deshalb lohnt es sich, wertebezogene Verhaltensweisen wie Hilfsbereitschaft, Lernmotivation oder Verantwortungsübernahme gezielt im Unterricht zu fördern. 
  • Da Werte und Verhalten sich gegenseitig beeinflussen, sollten Lehrpersonen Entwicklungsprozesse langfristig beobachten und nicht nur einzelne Verhaltensweisen situativ bewerten. 
  • Wiederkehrende Gelegenheiten für kooperatives Lernen, selbstständiges Arbeiten und gemeinsame Verantwortung können die Entwicklung entsprechender Werteorientierungen unterstützen. 
  • Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Unterricht nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch zur langfristigen Werteentwicklung der Kinder beiträgt.

Zusammenfassung der Forschungsergebnisse

Die persönlichen Werte von Kindern und ihr wertebezogenes Verhalten im Klassenzimmer in den frühen Primarschuljahren: Längsschnittliche Entwicklungsverläufe abbilden

Autor*innen:

Scholz-Kuhn, R., Makarova, E., Bardi, A., Benish-Weisman, M., Litzellachner, L., & Döring, A. K.

Ziel der Studie:
Die Studie untersuchte die Entwicklung persönlicher Werte und des wertebezogenen Verhaltens von Kindern in den ersten Jahren der Primarschule. Über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren wurden die Kinder wiederholt zu ihren Werten befragt und ihre Lehrpersonen zu ihrem wertebezogenen Verhalten im Klassenzimmer. Ziel war es zu untersuchen, wie sich Werte im Kindesalter entwickeln und ob Werte und Verhalten sich gegenseitig über die Zeit beeinflussen.

Ergebnisse der Studie:

  • Die Ergebnisse zeigen, dass sich persönliche Werte im frühen Primarschulalter verändern und dass Werte und Verhalten in einer wechselseitigen Beziehung zueinander stehen. 
  • Werte der Selbsttranszendenz (Universalismus und Wohlwollen) sowie Werte für Offenheit für Wandel (Selbstbestimmung, Stimulation und Hedonismus) gewannen mit der Zeit an Bedeutung, während Werte der Selbststärkung (Macht und Leistung) an Bedeutung verloren. Werte von Bewahren des Bestehenden (Tradition, Konformität und Sicherheit) nahmen zunächst zu, bevor sich dieser Anstieg verlangsamte. 
  • Kinder, die Universalismus und Wohlwollen stärker gewichteten, wurden später als unterstützender und hilfsbereiter gegenüber ihren Mitschüler*innen wahrgenommen. 
  • Kinder, denen Selbstbestimmung, Stimulation und Hedonismus besonders wichtig waren, zeigten im weiteren Verlauf eine höhere Lernmotivation. 
  • Kinder mit einer hohen Bedeutung von Leistung und Macht entwickelten später ein stärker ausgeprägtes wettbewerbsorientiertes Verhalten. 
  • Gleichzeitig sagte auch das Verhalten die spätere Entwicklung von Werten voraus: Hilfsbereite Kinder entwickelten stärkere Werte der Selbsttranszendenz, lernmotivierte Kinder stärkere Werte der Offenheit für Wandel, wettbewerbsorientierte Kinder stärkere Werte der Selbststärkung und disziplinierte, regelbefolgende Kinder stärkere Werte von Bewahren des Bestehenden.  

Die Ergebnisse zeigen, dass persönliche Werte und wertebezogenes Verhalten im frühen Primarschulalter eng miteinander verknüpft sind und sich gegenseitig beeinflussen. Werte sagen die spätere Entwicklung von Verhalten voraus, gleichzeitig kann das Verhalten von Kindern auch die Entwicklung ihrer persönlichen Werte fördern.

 

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